Vermeidung fehlerhafter Bewertung der Netzstabilität durch verbesserte Verteilnetzmodellierung

Stabilitätsbewertungen sind entscheidend für einen sicheren Übergang zu erneuerbaren Energiesystemen. Äquivalente dynamische Modelle aktiver Verteilnetze ermöglichen umfassende Stabilitätsstudien durch Reduzierung der Modellkomplexität und dadurch des Rechenaufwands. Dieses Paper stellt den General Clustering Approach (GCA) vor – eine neuartige Methode zur Erstellung äquivalenter Verteilnetzmodelle durch Aggregation von Erzeugern und Lasten. Der GCA wird in Szenarien mit unterschiedlichen Anteilen netzbildender Umrichter und Netzstärken validiert und mit drei etablierten Methoden (REI, TCA, STCA) verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass die branchenübliche REI-Methode erhebliche Abweichungen aufweist und Instabilitäten häufig nicht erkennt, während der GCA alle Validierungsgrenzwerte erfolgreich unterschreitet.

Einleitung

Mit zunehmender umrichterbasierter Erzeugung müssen detaillierte Verteilnetzmodelle durch äquivalente Modelle ersetzt werden, um Stabilitätsstudien effizient zu halten. Bestehende Methoden sind:

  • REI (Branchenstandard)
  • TCA (technologiebasierte Clusterung)
  • STCA (zusätzliche Berücksichtigung von Spannungssensitivitäten an Anschlussknoten netzbildender Umrichter)

STCA liefert gute Ergebnisse, ist aber nur für hohe Anteile netzbildender Umrichter (60 % der gesamten umrichterbasierten Erzeugung) validiert. Eine systematische Bewertung über verschiedene Anteile netzbildender/netzfolgender Umrichter und Netzstärken fehlte bisher.

 

Beiträge dieser Arbeit:

  1. Einführung des GCA, der die spannungssensitivitäts- und topologiebasierte Aggregation auf netzfolgende Umrichter und dynamische Lasten ausweitet.
  2. Quantitative Bewertung der Abweichungen zwischen detaillierten und äquivalenten Modellen (aggregiert mittels REI, TCA, STCA und GCA).
  3. Sensitivitätsanalyse über Anteile netzbildender Umrichter und Netzstärken.
  4. Nachweis, dass die übliche REI-Methode für Stabilitätsbewertungen umrichterdominierter Verteilnetze ungeeignet ist.

Modelle und Szenarien

12 Szenarien kombinieren Anteile netzbildender Umrichter (0 %, 20 %, 40 % und 60 % der gesamten umrichterbasierten Erzeugung) mit Netzstärken (Kurzschlussverhältnisse des überlagerten Übertragungsnetzes: 1,5 = schwach, 5 = mittel, 10 = stark). Die Last wird vollständig umrichterbasiert gedeckt. Pro Szenario werden Frequenzrampen, ein Spannungswinkelsprung und ein dreipoliger Kurzschluss simuliert. Das detaillierte Verteilnetz-Modell ist ein 10 kV Strahlennetz mit netzfolgenden und netzbildenden Umrichtern, dynamischen Lasten und konstanten Impedanzlasten.

Ergebnisse

Validierung mit mittlerem absoluten Fehler (Mean Absolute Error MAE < 0,17) und mittlerem Fehler (Mean Error ME innerhalb ±0,15), bezogen auf normierte Wirk‑/Blindleistungsabweichungen am Verteilnetztransformator zwischen detailliertem und äquivalentem Modell.

Methode

Nicht bestandene Szenarien (von 60)

Kernaussage

REI

45

erkennt Instabilitäten häufig nicht

TCA

21

Fehler wachsen mit Anteil netzbildender Umrichter

STCA

12

Fehler wachsen bei schwachen Netzen 

GCA

0

erfüllt alle Grenzwerte

Abbildung 1: Heatmap der nicht bestandenen Validierungsmetriken (MAE und ME) für Wirk- und Blindleistungsabweichungen der evaluierten äquivalenten Modelle verglichen mit den korrespondierenden detaillierten Modellen

Modellkomplexität:

Der GCA reduziert die Knotenanzahl um 86 % und die Simulationszeit um 79 % gegenüber dem detaillierten Modell.

Methode

Anzahl Knoten

Simulationszeit (relativ)

Detailliertes Modell

195

100 %

REI

5

3 %

TCA

2

8 %

STCA

7

12 %

GCA

27

21 %

Abbildung 2: Wirk- und Blindleistungsfluss vom Übertragungsnetz in das detaillierte und äquivalente Verteilnetz. Das detaillierte Modell weist eine Instabilität auf, während das äquivalente REI-Modell stabiles Verhalten zeigt. Szenario: 60 % netzbildende Umrichter und ein Kurzschlussverhältnis von 5.

Abbildung 3: Wirk- und Blindleistungsfluss vom Übertragungsnetz in das detaillierte und äquivalente Verteilnetz. Das GCA-Modell bildet als einziges äquivalentes Modell das dynamische Verhalten des detaillierten Modells adäquat nach. Szenario: 100 % netzfolgende Umrichter und ein Kurzschlussverhältnis von 1,5.

Fazit

REI ist für Stabilitätsbewertungen umrichterdominierter Verteilnetze ungeeignet, da es dynamische Effekte nicht erfasst und Instabilitäten überdeckt. TCA und STCA sind nur in bestimmten Kombinationen von Netzstärke und Umrichteranteilen verlässlich.

Vermeidung fehlerhafter Bewertung der Netzstabilität durch verbesserte Verteilnetzmodellierung